Kurzantwort: Welche Abstände schreibt die Hochbett-Norm vor?
Laut EN 747 müssen Geländeröffnungen so gestaltet sein, dass Kinder weder hindurchfallen noch stecken bleiben können. Der Rausfallschutz muss mindestens 16 cm über der Matratze liegen, Leitersprossen müssen mindestens 20 cm Abstand haben und eine Trittfläche von mindestens 9 cm besitzen.
Einleitung
Ein Hochbett ist für viele Kinder ein echtes Highlight im Kinderzimmer. Es spart Platz, schafft eine gemütliche Schlafhöhle und bietet darunter Raum zum Spielen, Lernen oder Verstauen von Möbeln. Gleichzeitig bringt die erhöhte Schlafposition aber auch besondere Sicherheitsanforderungen mit sich.
Gerade deshalb existieren klare Sicherheitsnormen für Hoch- und Etagenbetten. Sie regeln unter anderem, wie hoch der Rausfallschutz sein muss, wie stabil die Konstruktion sein soll und welche Abstände zwischen einzelnen Bauteilen erlaubt sind. Diese Normen helfen dabei, das Risiko von Stürzen, Einklemmen oder Instabilität zu reduzieren.
Viele Eltern achten beim Kauf eines Hochbetts vor allem auf Design, Preis oder Größe. Sicherheitsstandards werden dagegen häufig übersehen – obwohl sie entscheidend dafür sind, ob ein Bett wirklich kindersicher ist.
In diesem Ratgeber erfährst du:
welche Hochbett-Normen es in Europa gibt
welche Sicherheitsanforderungen ein Hochbett erfüllen muss
welche Prüfsiegel zusätzlich Sicherheit geben
worauf Eltern beim Kauf unbedingt achten sollten
So kannst du sicherstellen, dass ein Hochbett nicht nur praktisch ist, sondern auch den wichtigen Sicherheitsstandards entspricht.
Mehr Tipps findest du übrigens in unserem Hochbett Ratgeber!
Die wichtigste Hochbett Norm in Europa
Die wichtigste Sicherheitsnorm für Hoch- und Etagenbetten in Europa ist die EN 747.
Diese Norm wurde speziell entwickelt, um Unfälle bei Kindern zu vermeiden. Sie definiert detaillierte Anforderungen an Konstruktion, Stabilität und Sicherheitsmerkmale von Hochbetten.
Die Norm besteht aus zwei Teilen:
EN 747-1
Beschreibt die allgemeinen Sicherheitsanforderungen für Hoch- und Etagenbetten.
EN 747-2
Legt fest, wie diese Anforderungen getestet werden.
Die Norm gilt für Betten, bei denen die Oberkante der Liegefläche mindestens 60 cm über dem Boden liegt. Besonders relevant ist sie für Kinderbetten, da hier strengere Sicherheitsanforderungen gelten.
Sicherheitsanforderungen für Hochbetten
Damit ein Hochbett der Norm entspricht, muss es verschiedene Kriterien erfüllen.
Mindesthöhe des Rausfallschutzes
Der wichtigste Sicherheitsaspekt eines Hochbetts ist der Rausfallschutz. Er verhindert, dass ein Kind im Schlaf aus dem Bett fällt.
Die Norm schreibt vor:
mindestens 16 cm Höhe über der Matratzenoberkante
Schutz an allen offenen Seiten
keine großen Öffnungen im Geländer
Die Höhe des Schutzes muss immer über der Matratze gemessen werden. Wird eine zu dicke Matratze verwendet, kann der Schutz seine Wirkung verlieren.
Stabilität und Belastbarkeit
Hochbetten müssen deutlich stabiler sein als normale Betten. Kinder bewegen sich nachts viel, klettern häufig auf das Bett und springen manchmal sogar darauf.
Deshalb werden Hochbetten in Prüflaboren verschiedenen Belastungstests unterzogen. Dabei wird getestet:
wie stabil die Konstruktion bei Bewegung bleibt
ob sich Schrauben lösen
ob sich das Bett verformt
ob die Leiter sicher befestigt ist
Ein Bett darf auch bei intensiver Nutzung nicht wackeln oder kippen.
Sichere Leiter oder Treppe
Auch der Zugang zum Hochbett ist in der Norm geregelt.
Die Leiter muss:
fest mit dem Bett verbunden sein
ausreichend breite Stufen besitzen
rutschfest sein
einen sicheren Aufstieg ermöglichen
Abstände bei Leitersprossen:
Auch für Leitern gibt es genaue Maße. Der Abstand zwischen den Sprossen darf nicht zu groß sein, damit Kinder sicher hinauf- und hinabsteigen können.
Mindestanforderungen:
Abstand zwischen zwei Sprossen: mindestens 20 cm
Stufentiefe: mindestens 9 cm
Nutzbare Breite der Sprosse: mindestens 30 cm
Diese Maße sorgen dafür, dass Kinder mit dem Fuß sicher auftreten können.
Besonders bei kleineren Kindern ist eine schräge Leiter oder eine kleine Treppe oft sicherer als eine senkrechte Leiter.
Sichere Abstände zwischen Bauteilen
Ein oft unterschätzter Sicherheitsaspekt sind Abstände zwischen einzelnen Bauteilen.
Zu große Öffnungen können gefährlich sein, weil:
Kinder mit dem Kopf stecken bleiben können
Arme oder Beine eingeklemmt werden können
Die Norm definiert deshalb klare Mindest- und Maximalabstände:
Maximale Öffnungen:
Öffnungen im Geländer dürfen nicht größer als ca. 7,5 cm sein
Alternativ dürfen Öffnungen größer als 23 cm sein, wenn ein Einklemmen ausgeschlossen ist
Abstand zwischen Leiter und Bett:
Die Norm verlangt außerdem:
keine Einklemmstellen zwischen Leiter und Bett
keine Öffnungen, in denen Kopf oder Hals stecken bleiben können
Deshalb müssen Übergänge so gestaltet sein, dass:
keine spitzen Spalten entstehen
keine V-förmigen Öffnungen vorhanden sind
Abstand zwischen Bett und Wand:
Dieser Punkt wird oft übersehen.
Zwischen Hochbett und Wand darf kein gefährlicher Spalt entstehen, in dem ein Kind:
stecken bleiben
oder herunterfallen könnte
Viele Hersteller empfehlen daher:
maximal 7–8 cm Wandabstand
oder das Bett direkt an der Wand zu montieren.
Übersicht der wichtigsten Normmaße
| Sicherheitsbereich | Normwert |
|---|---|
| Höhe Rausfallschutz über Matratze | mindestens 16 cm |
| Abstand Geländerstäbe | meist max. ca. 7,5 cm |
| Abstand Leitersprossen | mindestens 20 cm |
| Stufentiefe Leiter | mindestens 9 cm |
| Breite Leiterstufe | mindestens 30 cm |
Mindestalter für Hochbetten
Viele Hersteller empfehlen ein Mindestalter von 6 Jahren.
Der Grund:
Kinder unter sechs Jahren haben häufig noch nicht die motorischen Fähigkeiten, um sicher eine Leiter zu benutzen oder nachts im Bett zu bleiben.
Mehr dazu findest du auch im Ratgeber:
→ Hochbett ab welchem Alter sinnvoll ist
→ Hochbett Sicherheit für Kinder
Weitere wichtige Sicherheitsprüfungen
Neben der europäischen Norm gibt es zusätzliche Prüfsiegel.
GS-Zeichen
Das GS-Zeichen steht für „Geprüfte Sicherheit“.
Es bestätigt, dass ein Produkt:
unabhängig getestet wurde
Sicherheitsanforderungen erfüllt
regelmäßig kontrolliert wird
Dieses Siegel ist freiwillig, gilt aber als besonders vertrauenswürdig.
TÜV-Prüfung
Ein weiteres bekanntes Prüfsiegel stammt vom TÜV.
Viele Hersteller lassen ihre Betten zusätzlich vom TÜV testen. Dabei werden unter anderem folgende Punkte geprüft:
Stabilität der Konstruktion
Sicherheit der Leiter
Materialqualität
Belastbarkeit
Wenn du ein Hochbett für dein Kind auswählst, lohnt es sich zusätzlich, einen Blick auf unsere weiterführenden Ratgeber zu werfen – etwa Hochbett Sicherheit – die komplette Checkliste für ein sicheres Hochbett, Hochbett Absturzsicherung – worauf Eltern achten müssen sowie Hochbett Unfallgefahr – wie gefährlich sind Hochbetten wirklich?, in denen wir detailliert erklären, welche Risiken es gibt und wie du ein Hochbett wirklich kindersicher machst.
Statistik und Experteninformationen zur Hochbett-Sicherheit
Sicherheitsnormen sind nicht ohne Grund entstanden. Untersuchungen zeigen, dass Hochbetten tatsächlich ein erhöhtes Unfallrisiko haben – vor allem bei jüngeren Kindern.
Studien zu Kinderunfällen zeigen, dass:
Stürze aus Hochbetten häufig zu Verletzungen führen
Kinder unter sechs Jahren besonders gefährdet sind
fehlender Rausfallschutz ein häufiger Unfallgrund ist
Typische Verletzungen sind:
Prellungen
Brüche
Kopfverletzungen
Experten empfehlen deshalb:
Hochbetten erst ab dem empfohlenen Alter zu nutzen
immer einen vollständigen Rausfallschutz zu wählen
auf geprüfte Sicherheitsnormen zu achten
Worauf Eltern beim Kauf eines Hochbetts achten sollten
Wenn du ein Hochbett kaufen möchtest, solltest du besonders auf folgende Punkte achten:
Sicherheitsnorm
Das Bett sollte die Norm EN 747 erfüllen.
Rausfallschutz
Der Schutz sollte hoch genug sein und keine großen Lücken haben.
Stabile Konstruktion
Massivholz oder stabile Metallrahmen sind meist sicherer als sehr leichte Konstruktionen.
Sichere Leiter
Die Leiter sollte rutschfest sein und stabile Stufen haben.
Matratzenhöhe
Eine zu dicke Matratze kann den Rausfallschutz unwirksam machen.
Fazit: Hochbett Normen sorgen für mehr Sicherheit
Hochbetten sind eine praktische Lösung für kleine Kinderzimmer und schaffen zusätzlichen Platz zum Spielen oder Lernen. Gleichzeitig bringen sie durch ihre Höhe besondere Sicherheitsanforderungen mit sich.
Genau deshalb existieren klare Normen wie die europäische Sicherheitsnorm EN 747. Sie definiert wichtige Anforderungen an:
Rausfallschutz
Stabilität
sichere Leitern
Abstände zwischen Bauteilen
Zusätzliche Prüfsiegel wie das GS-Zeichen oder eine TÜV-Prüfung geben weitere Sicherheit.
Wenn Eltern beim Kauf eines Hochbetts auf diese Standards achten, lässt sich das Unfallrisiko deutlich reduzieren – und Kinder können ihr Hochbett sicher genießen.